Berlin, 29.01.2026 – Chronische Schmerzen gehören zu den größten medizinischen Herausforderungen: Für viele Betroffene ist der Weg zu einer verträglichen, wirksamen Therapie immer noch lang. Insbesondere unter Behandlung mit Opioiden erleben viele Menschen mit chronischen Schmerzen schwerwiegende Nebenwirkungen oder fürchten Abhängigkeit. Eine neue Recherche des Bundesverbands pharmazeutischer Cannabinoidunternehmen e. V. (BPC) zeigt nun deutlich: Medizinisches Cannabis kann eine sichere, verträgliche, wirksame und zugleich wirtschaftlich sinnvolle Alternative zu Opioiden darstellen.

Eine zentrale Erkenntnis: Beide Therapien erreichen vergleichbare Werte bei den qualitätsadjustierten Lebensjahren (QALYs), die beschreiben, wie viele zusätzliche Lebensjahre eine Therapie bringen kann und wie hoch deren Qualität ist. Die QALY-Werte stammen aus einem gesundheitsökonomischen Modell von Jeddi et al. (2025), das auf einer systematischen Übersichtsarbeit und Netzwerk-Metaanalyse aller verfügbaren randomisierten kontrollierten Studien (RCTs) zu medizinischem Cannabis und Opioiden basiert. Entscheidend ist auch der Sicherheitsunterschied: Cannabis birgt kein Risiko schwerer oder tödlicher Überdosierungen, wie sie bei Opioiden auftreten können. Antonia Menzel, Vorstandsvorsitzende des BPC, erklärt: „Die Daten zeigen, dass Patient:innen mit medizinischem Cannabis eine ebenso hohe Lebensqualität erleben wie unter Opioiden, dabei aber unter deutlich weniger Nebenwirkungen leiden.“

Wirtschaftliches Potenzial: Entlastung für Arbeitgeber:innen, Versicherungen und den Staat

Die Einsparpotenziale reichen deutlich über die direkten Arzneimittelkosten hinaus: Ein britisches Modell zeigt, dass pro Patient:in rund 27,5 Stunden Arbeitsausfall und etwa 1.000 Britische Pfund pro Jahr eingespart werden können – hochgerechnet ergibt das ein mögliches Gesamtnutzenpotenzial von bis zu 5,6 Milliarden £ jährlich. Die Ergebnisse machen deutlich, dass Medizinalcannabis langfristig nicht nur Patient:innen selbst, sondern auch Arbeitgeber:innen, Versicherungen und staatliche Gesundheitsbudgets entlasten kann. Darüber hinaus zeigen Daten aus dem Vereinigten Königreich, dass medizinisches Cannabis weitere alltagsrelevante Verbesserungen ermöglicht – etwa eine bessere Schlafqualität, gesteigerte Mobilität und einen verbesserten Appetit. Diese Faktoren wirken sich spürbar positiv auf die Lebensqualität vieler Betroffener aus.

Cannabis senkt Opioidverbrauch – ein zentraler Nutzen für die Versorgung

Mehrere klinische und epidemiologische Studien zeigen, dass medizinisches Cannabis den tatsächlichen Opioidverbrauch langfristig senken kann. Patient:innen benötigen unter einer begleitenden Cannabinoidtherapie nachweislich deutlich geringere Opioiddosen. Dieser sogenannte „Opioid-sparing“-Effekt gilt als einer der zentralen gesundheitspolitischen Vorteile, da er Abhängigkeiten, Nebenwirkungen und das Risiko von Überdosierungen messbar reduzieren kann.

Auch aus Sicht der Versorgungspraxis festigt sich dieses Bild. David Henn, Vorstandsmitglied des BPC, berichtet: „Unsere Erfahrung bestätigt, was auch die Daten aus der BPC-Erhebung zeigen: Cannabis wird von vielen Schmerzpatient:innen deutlich besser vertragen als Opioide. Cannabis ist für viele eine schonendere Behandlungsoption mit einem deutlich besseren Nebenwirkungsprofil.“ 

Geringere Behandlungskosten: Cannabis als wirtschaftlichere Option

Neben der höheren Sicherheit spricht auch die Kostenentwicklung klar für Behandlungen mit Medizinalcannabis: Eine niedrig dosierte Therapie kostet rund 37 Euro im Monat und ist damit deutlich günstiger als eine vergleichbare niedrige Opioiddosis, die bereits etwa 73 Euro erreicht. Auch im mittleren Dosierungsbereich zeigt sich derselbe Trend, sodass Cannabis in den Dosierungen, in denen die meisten Betroffenen behandelt werden, die kostenschonendere Option bleibt.

„Unsere Erhebung bestätigt, wofür der BPC seit Jahren steht. Wir hoffen, dass die Ergebnisse dazu führen, dass auch die Politik das Potenzial von Medizinalcannabis erkennt und bei zukünftigen Entscheidungen berücksichtigt“, so Antonia Menzel.

Über den BPC

Der Bundesverband Pharmazeutischer Cannabinoidunternehmen e. V. (BPC) ist die zentrale Interessenvertretung der pharmazeutischen Cannabinoidbranche in Deutschland. Der Verband bündelt die Expertise seiner Mitgliedsunternehmen mit dem Ziel, Patient:innen eine sichere und qualitativ hochwertige Versorgung mit medizinischem Cannabis zu ermöglichen. Der BPC setzt sich aktiv für Forschungsförderung, die zukunftsfähige Weiterentwicklung von Cannabinoidtherapien sowie für leistungsfähige Anbau- und Versorgungsstrukturen ein. Durch Aufklärung, Weiterbildung und einen kontinuierlichen Dialog mit politischen und regulatorischen Entscheidungsträgern stärkt der Verband die Position der Branche in Deutschland und auf internationaler Ebene.

Quellen

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